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IASB veröffentlicht neuen Leasingstandard IFRS 16

IRZ, Heft 2, Februar 2016, S. 66

Der IASB hat am 13. Januar 2016 den finalen Standard zur Bilanzierung von Leasingvereinbarungen IFRS 16 „Leasingverhältnisseveröffentlicht (siehe auch Adolph/Rischar, IRZ 2016, 57).Damit schließt der IASB nach mehr als zehn Jahren sein Projekt zur Überarbeitung der Leasingbilanzierung ab. IFRS 16 sieht neben einer Neuabgrenzung von Leasingverhältnissen für Leasinggeber eine weitgehende Übernahme der bisherigen Unterscheidung in Finanzierungs- und Mietleasingverhältnisse gemäß IAS 17 „Leasingverhältnisse“ mit entsprechend unterschiedlichen Bilanzierungskonsequenzen vor.


Für Leasingnehmer enthält IFRS 16 ein einheitliches Bilanzierungsmodell. Insoweit weicht der IASB von der Sichtweise des FASB ab, der sich für ein duales Modell entschieden hat. Damit konnte eine vollständige Konvergenz beider Rechnungslegungsstandards, ein ursprüngliches Ziel des Projekts, im Ergebnis nicht erreicht werden, auch wenn IASB und FASB auf die grundsätzliche Kompatibilität beider Standards verweisen.

Ein Leasingverhältnis liegt vor, wenn dem Leasingnehmer vom Leasinggeber vertraglich das Recht zur Beherrschung (control) eines identifizierten Vermögenswerts für einen festgelegten Zeitraum eingeräumt wird und der Leasinggeber dafür eine Gegenleistung vom Leasingnehmer erhält. Die Beherrschung über den Leasinggegenstand gilt als übertragen, wenn der Leasingnehmer berechtigt ist, die Nutzung des Leasinggegenstands (im Rahmen der vertraglichen Regelungen) zu bestimmen, und ihm während der Laufzeit der Leasingvereinbarung im Wesentlichen der gesamte wirtschaftliche Nutzen zufließt.

Leasingnehmer haben gemäß IFRS 16 einen Vermögenswert aus einem Nutzungsrecht sowie eine Leasingverbindlichkeit im Zugangszeitpunkt in ihrer Bilanz zu erfassen. Das Nutzungsrecht wird grundsätzlich zum Barwert der künftigen Leasingzahlungen zuzüglich direkt zurechenbarer Kosten aktiviert. Zu den Leasingzahlungen gehören die festen Zahlungen, variable Zahlungen, soweit diese Index-basiert sind, erwartete Zahlungen aufgrund von Restwertgarantien und ggf. der Ausübungspreis von Kaufoptionen und Pönalen für die vorzeitige Beendigung von Leasingverträgen. Das Nutzungsrecht wird wie andere nicht finanzielle Vermögenswerte planmäßig abgeschrieben bzw. außerplanmäßig wertgemindert. Die Leasingverbindlichkeit bemisst sich als der Barwert der Leasingzahlungen, die während der Laufzeit des Leasingverhältnisses gezahlt werden, abgezinst – sofern ermittelbar – mit einem dem Leasingverhältnis zugrunde liegenden Zinssatz, andernfalls mit dem Grenzfremdkapitalzinssatz des Leasingnehmers. Im Rahmen der Folgebewertung ist die Leasingverbindlichkeit aufzuzinsen, wodurch laufender Zinsaufwand in der Gesamtergebnisrechnung entsteht. Damit ergibt sich künftig ein sog. „front-loading“-Effekt, da bei unterstellter linearer Abschreibung des Nutzungsrechts und abnehmendem Zinsaufwand aus der Leasingverbindlichkeit in der Summe ein abnehmender Perioden-Gesamtaufwand im Zeitablauf resultiert.

Leasingnehmern wird für kurzfristige Leasingverhältnisse mit einer Laufzeit von nicht mehr als 12 Monaten und Leasinggegenständen von geringem Wert als Erleichterung das Bilanzierungswahlrecht eingeräumt, anstelle der Bilanzierung eines Nutzungsrechts und einer Leasingverbindlichkeit die Leasingzahlungen linear oder auf einer anderen systematischen Grundlage über die Laufzeit der Leasingvereinbarung als Aufwand zu erfassen.

Die Regelungen für Leasinggeber wurden weitgehend unverändert aus IAS 17 übernommen. Eine Leasingvereinbarung ist als Finanzierungsleasingverhältnis einzustufen, falls die mit dem wirtschaftlichen Eigentum verbundenen Chancen und Risiken am Leasinggegenstand im Wesentlichen übertragen worden sind. Anderenfalls liegt ein Mietleasingverhältnis vor. Darüber hinaus enthält der neue Leasingstandard Vorschriften zum Ausweis und zu Anhangangaben sowie zu Sale-and-Leaseback-Transaktionen.

IFRS 16 ersetzt IAS 17 sowie die dazugehörigen Interpretationen (IFRIC 4, SIC 15 und SIC 27) und ist erstmals verpflichtend für Geschäftsjahre anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2019 beginnen. Eine vorzeitige Anwendung ist – eine Anerkennung des neuen Standards im Rahmen des Komitologieverfahrens der EU vorausgesetzt – möglich, allerdings muss dann auch zeitgleich IFRS 15 „Erlöse aus Verträgen mit Kunden“ angewendet werden.

 



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