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IFRS IC veröffentlicht Interpretationsentwurf zu Steuerunsicherheiten

IRZ, Heft 11, November 2015, S. 423

Das IFRS Interpretations Committee des IASB (IFRS IC) hat am 21. Oktober 2015 den Interpretationsentwurf DI/2015/1 „Unsicherheit bezüglich der ertragsteuerlichen Behandlung veröffentlicht. Anlass der Beschäftigung des IFRS IC waren unterschiedliche Vorgehensweisen in der Bilanzierungspraxis in Bezug auf den Ansatz und die Bewertung von tatsächlichen Ertragsteuern, latenten Steuerschulden und latenten Steueransprüchen nach IAS 12.5, wenn Unsicherheit hinsichtlich des Betrags der geschuldeten oder erstattungsfähigen Ertragsteuern besteht.


Diese Rahmenbedingungen definieren gleichzeitig den Anwendungsbereich der Interpretation, die folgende Sachverhalte abdeckt:

 

  1. Ein Unternehmen hat Ermessen anzuwenden, wenn es bestimmt, ob jede steuerliche Behandlung einzeln, oder ob manche steuerlichen Behandlungen gemeinsam beurteilt werden sollen. Es sollte der Ansatz gewählt werden, der die bessere Vorhersage der Auflösung der Unsicherheit ermöglicht.
  2. Ein Unternehmen muss davon ausgehen, dass eine Steuerbehörde mit dem Recht, die erklärten Steuerbeträge zu prüfen, dieses auch ausüben wird und dabei vollständige Kenntnis aller relevanten Informationen besitzt.
  3. Ein Unternehmen hat zu beurteilen, ob es wahrscheinlich ist, dass die entsprechende Behörde die jeweilige steuerliche Behandlung (oder Kombination von steuerlichen Behandlungen) akzeptiert, die es bei seiner Ertragsteuererklärung verwendet hat oder zu verwenden beabsichtigt. Wenn das Unternehmen aufgrund dieser Beurteilung als wahrscheinlich unterstellt, dass die verwendete steuerliche Behandlung akzeptiert wird, hat es den zu versteuernden Gewinn (steuerlichen Verlust), die steuerlichen Basiswerte, die nicht genutzten steuerlichen Verluste, die nicht genutzten Steuergutschriften und die Steuersätze unter Zugrundelegung der Methode zu bestimmen, die es auch in seiner Ertragsteuererklärung verwendet hat. Wenn das Unternehmen dagegen zu der Einschätzung gelangt, dass die verwendete Vorgehensweise nicht akzeptiert wird, hat das Unternehmen den wahrscheinlichsten Betrag oder den erwarteten Wert auf der Basis der erwarteten Einschätzung durch die Steuerbehörden zu verwenden.
  4. Ein Unternehmen hat seine Ermessensentscheidungen und Schätzungen zu überprüfen, wenn sich Tatsachen oder Umstände ändern.

 

Im Interpretationsentwurf sind keine neuen Angabevorschriften enthalten. Stattdessen wird ausdrücklich auf bestehende Angabevorschriften in IAS 1, IAS 12 und IAS 37 verwiesen. Beim Übergang auf die Regelungen der vorgeschlagenen Interpretation soll ein Unternehmen die kumulative Auswirkung ihrer erstmaligen Anwendung in den Gewinnrücklagen oder in einer anderen sachgerechten Eigenkapitalkomponente zu Beginn der Berichtsperiode der Erstanwendung erfassen. Vergleichsinformationen müssen nicht angepasst werden. Auch eine vollständige rückwirkende Anwendung ist gestattet, allerdings dürfen dabei keine späteren Erkenntnisse in die Beurteilung einfließen.

Stellungnahmen und Kommentare zum Interpretationsentwurf DI/2015/1 werden vom IASB bis zum 19. Januar 2016 erbeten.

 



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