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Entwurf zu Ausnahmeregelung in IFRS 9

IRZ, Heft 5, Mai 2017, S. 198

Am 21. April 2017 hat der IASB den Standardergänzungsentwurf ED/2017/3 „Vorfälligkeitsregelungen mit negativer Ausgleichsleistung (Vorgeschlagene Änderungen an IFRS 9)“ veröffentlicht, in dem klargestellt wird, wie bestimmte Finanzinstrumente mit Vorfälligkeitsregelungen nach den neuen Regelungen des IFRS 9 „Finanzinstrumente“ zu klassifizieren sind.


Der Board hat sich mit diesem Thema aufgrund einer ursprünglich an das IFRS Interpretations Committee gerichteten Anfrage beschäftigt. Das Committee hielt dabei zunächst fest, dass unter IFRS 9 bestimmte Vorfälligkeitsregelungen dazu führen können, dass Instrumente, die ansonsten ausschließlich Tilgungs- und Zinszahlungen auf den ausstehenden Kapitalbetrag vorsehen, von einer Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten oder zum beizulegenden Zeitwert mit Erfassung der Änderungen im sonstigen Gesamtergebnis ausgeschlossen sind. Das IFRS IC kam zu dem Schluss, dass in diesen Fällen eine Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten gleichwohl entscheidungsnützlichere Informationen bieten könne. Es empfahl deshalb dem IASB, IFRS 9 um eine eng umrissene Ausnahmeregelung für diese Sachverhalte zu ergänzen. Der Board stimmte dem zu und schlägt daher in dem nunmehr veröffentlichten Entwurf eine Ausnahmeregelung für bestimmte finanzielle Vermögenswerte vor, deren vertragliche Cashflows ansonsten ausschließlich Tilgungs- und Zinszahlungen sind, die aber eine Vorfälligkeitsregelung aufweisen. Abweichend vom Grundprinzip des IFRS 9 soll für diese Finanzinstrumente eine Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten oder zum beizulegenden Zeitwert mit Erfassung der Änderungen im sonstigen Gesamtergebnis möglich sein, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:

 

 

Der Entwurf enthält auch Vorschläge für Änderungen an IFRS 7 und IFRS 1 für die Fälle, in denen es undurchführbar ist zu beurteilen, ob der beizulegende Zeitwert der Vorfälligkeitsregelung beim erstmaligen Ansatz unerheblich ist.

Der IASB beabsichtigt, die vorgeschlagenen Änderungen bereits ab dem 1. Januar 2018 verpflichtend anwenden zu lassen. Dies würde dazu führen, dass sie gleichzeitig mit dem Inkrafttreten von IFRS 9 anzuwenden wären. Die vorgeschlagene Ausnahme soll grundsätzlich rückwirkend angewendet werden, wobei bestimmte Erleichterungen für den Fall gewährt werden sollen, dass eine Beurteilung, ob der beizulegende Zeitwert der Vorfälligkeitsregelung beim erstmaligen Ansatz des Finanzinstruments unerheblich war, für ein Unternehmen nicht zu vertretbarem Aufwand möglich ist.

Da der IASB hervorhebt, dass der Sachverhalt eng abgegrenzt und dringlich ist, wurde eine Kommentierungsfrist von lediglich 30 Tagen anstelle der üblichen Mindestfrist von 120 Tagen angesetzt. Dementsprechend müssen Stellungnahmen bis zum 24. Mai 2017 beim IASB eingereicht werden. Der endgültige Ergänzungsstandard soll voraussichtlich im Oktober 2017 veröffentlicht werden.

 



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