NJW

 


Abiball

 

Jetzt naht sie wieder, die Zeit der Abibälle, bei denen es die frisch gebackenen Abiturienten ordentlich krachen lassen. Schließlich hat man 13 oder mehr Jahre hart für diesen einen Moment gearbeitet,  da sollte dann auch ein bisschen mehr drin sein als eine Kiste Bier und Schnittchen aus der Schulkantine. Ziemlich zeitgleich nehmen die Sorgen der Eltern der angehenden Schulabsolventen beständig zu. Anlass ist in den seltensten Fällen der berufliche Werdegang des hoffnungsvollen Sprösslings oder die bange Frage, ob er oder sie überhaupt zum Mündlichen zugelassen wird, sondern die Angst vorm finanziellen Abgrund, an dem sich mancher schon stehen sieht, weil die Kosten für Abibälle keine Grenzen zu kennen scheinen. Klar, Designer-Abendkleider, Champagner-Empfang nebst Flying-Buffet vom Edel-Italiener, Live-Kapelle und das abschließende Großfeuerwerk zu den Klängen von Beethovens „Freude schöner Götterfunken“ oder Händels „Halleluja“ haben halt ihren Preis, in der Regel einen stolzen. Und den können oder wollen immer weniger Eltern zahlen, vor allem dann nicht, wenn dem Abiturienten noch zwei, drei jüngere Geschwister folgen. Aber zum Glück nimmt Nordrhein-Westfalens Schulministerin diese Ängste ernst und mahnt noch vor Beginn der Abi-Klausuren, auch bei der anschließenden Abi-Feier nicht die Bodenhaftung zu verlieren, damit alle unbeschwert mitfeiern können. Zwei Abiturientinnen aus dem Raum Düsseldorf dürfte das gleichwohl schwer fallen (SG Düsseldorf, Urt. v. 22.10.2018 – S 43 AS 2221/18).

Die hatten nämlich nach bestandenem Abitur beim Jobcenter angefragt, ob man sich dort wohl anteilig an den Kosten für den anstehenden Abiball beteiligen würde. Die Rede war von jeweils 200 Euro. Damit sollte zum einen der Anteil für die Anmietung einer Lokalität bestritten werden, der mit jeweils 100 Euro zu Buche schlug. Weitere 27 Euro fielen für je eine Abiball-Karte an, außerdem jeweils 90 Euro für Kleid und Schuhe. Was dem einen oder anderen Abiball-Financier fast schon paradiesisch günstig anmutet, erachtete das Jobcenter für den Gipfel spätpubertärer Dekadenz; will sagen, es winkte ab und verwies die Absolventinnen auf den Regelbedarf. Weil der aber allenfalls für zwei Tüten Erdnussflips und einen Sixpack gereicht hätte, versuchten die beiden Mädchen ihr Glück beim SG, dies allerdings ebenfalls recht erfolglos. Zwar erkannte man dort durchaus, dass die Teilnahme an einer privaten Schulabschlussfeier – nichts anderes ist der Abiball ja – durchaus wünschenswert, aber im Gegensatz zu einer verpflichtenden schulischen Veranstaltung eben nicht existenziell sei. Und weil im Rahmen der Existenzsicherung nun mal kein Anspruch auf die Teilnahme an gesellschaftlichen Ereignissen in einem bestimmten Umfang bestehe, gingen die Mädchen leider, leider leer aus. Liebe Richter vom SG Düsseldorf: Wir sind uns sicher, dass Eure Entscheidung vertretbar ist, möglicherweise sogar gut vertretbar. Aber, Hand aufs Herz, hätte man in dem Fall nicht mit ein bisschen gutem Willen eine Lösung finden können, die den Interessen aller Beteiligten Rechnung getragen hätte?

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