Klarstellende Ergänzung des IAS 12


IRZ, Heft 2, Februar 2016, S. 66

Am 19. Januar 2016 hat der IASB den Änderungsstandard mit Ergänzungen an IAS 12 „Ertragsteuern – Ansatz von aktiven latenten Steuern bei nicht realisierten Verlustenveröffentlicht. Der IASB reagiert damit auf eine unterschiedliche Bilanzierungspraxis beim Ansatz latenter Steueransprüche aus zum beizulegenden Zeitwert bilanzierten Vermögenswerten, die nach Ansicht des Boards im Wesentlichen auf Unsicherheiten bei der Anwendung einiger Prinzipien des IAS 12 zurückzuführen ist.

Die nunmehr veröffentlichten klarstellenden Änderungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Nicht realisierte Verluste von zum beizulegenden Zeitwert bewerteten schuldrechtlichen Finanzinstrumenten, deren steuerliche Basis die Anschaffungskosten sind, führen grundsätzlich zu abzugsfähigen temporären Differenzen. Dies gilt unabhängig davon, ob der Halter erwartet, das Schuldinstrument bis zur Endfälligkeit zu halten und somit den Nominalwert in voller Höhe zu erzielen oder ob er das Schuldinstrument zwischenzeitlich zu veräußern beabsichtigt.
  2. Der Buchwert eines Vermögenswerts stellt nicht die Obergrenze für die Schätzung wahrscheinlicher, zukünftig zu versteuernder Gewinne dar.
  3. Steuerabzüge aus der Umkehrung abzugsfähiger temporärer Differenzen sind bei der Schätzung zukünftig zu versteuernder Gewinne herauszurechnen.
  4. Ein Unternehmen hat einen latenten Steueranspruch nicht nur für sich allein, sondern auch in Kombination mit anderen latenten Steueransprüchen der gleichen (zulässigen) Art zu beurteilen.

Die Änderungen treten – eine Übernahme in die EU vorausgesetzt – für Berichtsperioden in Kraft, die am oder nach dem 1. Januar 2017 beginnen; eine vorzeitige Anwendung ist zulässig. Als Übergangserleichterung können bei erstmaliger Anwendung die Veränderungen im Eigenkapital der Eröffnungsbilanz der frühesten angegebenen Vergleichsperiode pauschal den Gewinnrücklagen zugeführt werden ohne Aufteilung zwischen Gewinnrücklagen und anderen Bestandteilen des Eigenkapitals.