Projekt-Papiere des IASB zur Leasingbilanzierung


IRZ, Heft 4, April 2015, S. 142

Das Projekt zur Überarbeitung der Leasingbilanzierung, das bereits im Jahr 2006 als gemeinsames Projekt von IASB und FASB gestartet wurde, soll nunmehr im laufenden Jahr finalisiert werden. Grundlegendes Ziel der Überarbeitung ist die Abschaffung der zurzeit gültigen Klassifikation von Leasingverhältnissen in operate leases und finance leases. Stattdessen sollen alle Leasingverhältnisse in die Bilanz des Leasingnehmers in Form der Bilanzierung eines Nutzungsrechts und der korrespondierenden Leasingverbindlichkeit aufgenommen werden.

Ausnahmen soll es für kurzfristige und geringfügige Leasingverhältnisse geben, die weiterhin als Aufwand nur in der Gesamtergebnisrechnung zu erfassen sein sollen. Nachdem die Boards zunächst ein zweistufiges Modell vorgeschlagen hatten, soll nunmehr nach Ansicht des IASB bei Leasingnehmern ein einheitliches Leasingmodell für alle Leasingverhältnisse zur Anwendung gelangen. Damit hat sich der Board wieder weit auch von dem zweiten Standardentwurf entfernt und ist den Anregungen aus den Kommentaren im Hinblick auf eine Komplexitätsreduktion weitgehend gefolgt. Darüber hinaus gibt es auch weiterhin Unterschiede in der Auffassung von IASB und FASB hinsichtlich der Erfassung von Leasingaufwendungen in der Erfolgsrechnung der Leasingnehmer.

Auch die klarere Definition von Leasingverhältnissen und deren Abgrenzung von Dienstleistungsverträgen war in den Kommentaren gefordert worden. Eine solche Abgrenzung ist notwendig, da Leasingverträge künftig bilanzwirksam sein sollen, Dienstleistungsverträge aber weiterhin (wie bisher operate leases) nur in der Gesamtergebnisrechnung als Aufwand der Periode zu erfassen sein sollen. Zu diesem abgegrenzten Themenbereich hat der IASB am 24. Februar 2015 ein Projekt-Papier veröffentlicht, das den derzeitigen Beschlussstand im Board widerspiegelt.

Darüber hinaus hat der IASB am 16. März 2015 ein weiteres Papier herausgegeben, in dem der Stand der Beratungen zu den künftigen Bilanzierungsregelungen zu Leasingverhältnissen in IASB und FASB dargestellt wird und die Regelungen den bisherigen Vorschriften des IAS 17 gegenübergestellt werden. Damit sollen auch die eher „technischen“ Regelungen des anstehenden Standards der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Gleichzeitig sollen auch die Bereiche verdeutlicht werden, in denen IASB und FASB nach wie vor unterschiedliche Lösungsansätze favorisieren. Dies wird wahrscheinlich dazu führen, dass in Teilbereichen der endgültige IFRS von der entsprechenden US-amerikanischen ASC-Regelung abweichen wird. Die Boards sind jedoch der Ansicht, dass die verbleibenden Abweichungen, deren wesentlichste die Darstellung in der Gesamtergebnisrechnung ist, die grundsätzliche Vergleichbarkeit nicht allzu sehr beeinträchtigt.

Bei den Projekt-Papieren handelt es sich noch nicht um verbindliche Regelungen; diese werden vielmehr erst im Rahmen des endgültigen Standards veröffentlicht. Gleichwohl soll Interessenten die Möglichkeit gegeben werden, die voraussichtlich zukünftig geltenden Regelungen zur Bilanzierung von Leasingverhältnissen kennenzulernen, um ggf. daraus resultierenden Anpassungs- und Implementierungsaufwand besser abschätzen zu können.

Die Projekt-Papiere zur künftigen Leasingbilanzierung sind auf der Website des IASB (www.ifrs.org) verfügbar.