Endgültige Fassung von IFRS 9 veröffentlicht


IRZ, Heft 9, September 2014, S. 332

Der IASB hat am 24. Juli 2014 eine endgültige Fassung von IFRS 9 „Finanzinstrumenteveröffentlicht. Mit der Herausgabe des nunmehr vollständigen Standards schließt der Board die letzten beiden Phasen seines Projekts zur Ersetzung von IAS 39 ab.

Das Dokument enthält erstmals Vorschriften zur Wertminderung (Impairment) von Finanzinstrumenten sowie Änderungen an den Regelungen zu Bewertungskategorien für finanzielle Vermögenswerte. Darüber hinaus wurden zusätzliche Leitlinien zur Beurteilung des Geschäftsmodells und des Zahlungsstromkriteriums aufgenommen. Neu im Standard enthalten ist nunmehr ein Datum zur erstmaligen Pflichtanwendung (s.u.).

Das Wertminderungsmodell von IFRS 9 beruht erstmals auf dem Konzept erwarteter Verluste. Ausgenommen sind Instrumente, die bereits bei Zugang wertgemindert sind; bei diesen werden die erwarteten Verluste im Effektivzins abgebildet. Erwartete Verluste für finanzielle Vermögenswerte, die nicht bereits eine Wertminderung bei Zugang aufweisen, sind in folgender Höhe zu erfassen:

 

  • „Erwarteter 12-Monats-Verlust“ (Barwert der erwarteten Zahlungsausfälle, die aus möglichen Ausfallereignissen innerhalb der nächsten 12 Monate nach dem Abschlussstichtag resultieren); oder
  • gesamter über die Restlaufzeit des Instruments erwarteter Verlust (Barwert der erwarteten Zahlungsausfälle infolge aller möglichen Ausfallereignisse über die Restlaufzeit des Finanzinstruments).

 

Die Verlusterfassung des gesamten über die Restlaufzeit erwarteten Verlusts muss für Instrumente vorgenommen werden, deren Ausfallrisiko sich seit Zugang signifikant erhöht hat. Dasselbe gilt, unabhängig von einer Erhöhung des Ausfallrisikos, für Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und aktive Vertragsposten, welche kein Finanzierungsverhältnis gemäß IFRS 15 begründen. Außerdem kann ein Unternehmen ein Bilanzierungswahlrecht ausüben, für alle aktiven Vertragsposten und/oder Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, welche ein Finanzierungsverhältnis gemäß IFRS 15 begründen, stets den gesamten über die Restlaufzeit erwarteten Verlust zu erfassen. Dasselbe Wahlrecht besteht auch für Leasingforderungen. Für alle anderen Finanzinstrumente werden erwartete Verluste in Höhe des für die nächsten 12 Monate erwarteten Ausfallbetrags erfasst.

Die Vorschriften zur Kategorisierung und Bewertung wurden um die zusätzliche Möglichkeit einer ergebnisneutralen Fair Value-Bewertung ergänzt, die für bestimmte Fremdkapitalinstrumente der Aktivseite vorgesehen ist. Somit wurde eine „dritte Bewertungskategorie“ für Finanzinstrumente geschaffen, die folgende Bedingungen erfüllen:

 

  • Geschäftsmodellbedingung: Die Zielsetzung des Geschäftsmodells des Unternehmens wird dadurch erreicht, dass sowohl die vertraglichen Zahlungsströme finanzieller Vermögenswerte vereinnahmt als auch finanzielle Vermögenswerte veräußert werden.
  • Zahlungsstrombedingung: Die vertraglichen Bedingungen des finanziellen Vermögenswerts führen zu festgelegten Zeitpunkten zu Zahlungsströmen, die einzig Rückzahlungen von Teilen des Nominalwerts und der Zinsen auf die noch nicht zurückgezahlten Teile des Nominalwerts sind.

 

Der IASB bezeichnet die vorliegende Fassung des IFRS 9 als vollständig und endgültig; somit wird IAS 39 mit Wirkung zum Erstanwendungszeitpunkt von IFRS 9 ersetzt. Allerdings ist IAS 39 damit nicht vollständig aufgehoben, da die Regelungen in IAS 39 zur Bilanzierung von Portfolio-Fair Value Hedges für Zinsrisiken bis zur Beendigung des Macro-Hedge-Projekts des IASB weiterhin anzuwenden sind.

Für IFRS 9 ist nunmehr die erstmalige Pflichtanwendung in IFRS-Abschlüssen für Berichtsperioden vorgesehen, die am oder nach dem 1. Januar 2018 beginnen. Eine freiwillige vorzeitige Anwendung des gesamten endgültigen Standards ist zulässig. IFRS-Anwender in der EU können in ihren befreienden IFRS-Abschlüssen von einer vorzeitigen Anwendung jedoch erst Gebrauch machen, wenn die Anerkennung durch die EU-Kommission erfolgt ist. Angesichts der grundlegenden Bedeutung des Standards ist eher von einem längeren Endorsement-Verfahren auszugehen.