IASB veröffentlicht Ergänzungsstandard zu IFRS 11


IRZ, Heft 6, Juni 2014, S. 232

Der IASB hat am 6. Mai 2014 den Ergänzungsstandard „Bilanzierung von Erwerben von Anteilen an einer gemeinsamen Geschäftstätigkeit (Änderungen an IFRS 11)“ veröffentlicht. Er enthält Klarstellungen in Bezug auf die Bilanzierung eines Erwerbs von Anteilen an einer gemeinschaftlichen Tätigkeit, wenn diese einen Geschäftsbetrieb (business) darstellt.

Bisher enthielt IFRS 11 „Gemeinsame Vereinbarungen“ keine Leitlinien zur Bilanzierung solcher Erwerbsvorgänge. An das IFRS Interpretations Committee (IFRS IC) wurde deshalb die Frage herangetragen, ob der Erwerber von derartigen Anteilen an einer gemeinschaftlichen Tätigkeit die Prinzipien aus IFRS 3 „Unternehmenszusammenschlüsse“ beim erstmaligen Ansatz der Anteile anzuwenden hat oder ob stattdessen eine Gruppe von Vermögenswerten zu bilanzieren sei. Diese Frage ist deshalb relevant, weil es im ersten Fall zur Entstehung eines Goodwill kommen kann, während im zweiten Fall die Vermögenswerte vollumfänglich mit ihren (anteiligen) Anschaffungskosten bilanziert werden und dementsprechend kein Goodwill entstehen kann. Lt. IFRS IC ist es in diesem Zusammenhang tatsächlich zu unterschiedlichen Bilanzierungspraktiken gekommen. Das IFRS IC übergab den Sachverhalt an den IASB mit der Einschätzung, dass der sachgerechteste Ansatz in der Anwendung der für Unternehmenszusammenschlüsse nach IFRS 3 maßgeblichen Prinzipien bestünde.

Der IASB ist mit dem nun veröffentlichten Änderungsstandard dieser Einschätzung gefolgt: Der Erwerber von Anteilen an einer gemeinsamen Tätigkeit, die einen Geschäftsbetrieb i.S.v. IFRS 3 darstellt, hat alle Prinzipien in Bezug auf die Bilanzierung von Unternehmenszusammenschlüssen aus IFRS 3 und anderen erwerbsbezogenen IFRS-Regelungen anzuwenden, solange diese nicht im Widerspruch zu den Leitlinien in IFRS 11 stehen. Daher muss ein Erwerber von derartigen Anteilen an einer gemeinsamen Tätigkeit die nachfolgenden Prinzipien beachten:

 

  • Im Regelfall Bewertung der identifizierbaren Vermögenswerte und Schulden zum beizulegenden Zeitwert;
  • aufwandswirksame Erfassung der erwerbsbezogenen Kosten (mit Ausnahme von Kosten für die Emission von Schuld- oder Eigenkapitaltiteln);
  • Ansatz latenter Steuern;
  • ggf. Erfassung eines Geschäfts- oder Firmenwerts bzw. Ertrags aus vorteilhaften Erwerben;
  • Durchführung von Wertminderungsprüfungen für diejenigen zahlungsmittelgenerierenden Einheiten, denen Geschäfts- oder Firmenwerte zugerechnet wurden;
  • Erfüllung der Angabenerfordernisse des IFRS 3 in Bezug auf Unternehmenszusammenschlüsse.

 

Die Änderungen sind auf Erwerbe von Anteilen an einer bestehenden gemeinschaftlichen Tätigkeit und auf die Erwerbe von Anteilen an einer gemeinschaftlichen Tätigkeit bei ihrer Gründung anzuwenden, soweit die Gründung der gemeinschaftlichen Tätigkeit nicht mit der Gründung des Geschäftsbetriebs einhergeht.

Als Folgeänderung wurde auch IFRS 1Erstmalige Anwendung der International Financial Reporting Standards“ angepasst, um die Ausnahme in Bezug auf Unternehmenszusammenschlüsse auch auf vergangene Erwerbe von Anteilen an gemeinschaftlichen Tätigkeiten, bei denen die gemeinschaftliche Tätigkeit einen Geschäftsbetrieb darstellt, auszuweiten.

Die Änderungen sind prospektiv für Berichtsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2016 beginnen, anzuwenden. Eine frühere Anwendung ist gestattet, wobei entsprechende Angaben erforderlich sind. Eine Anerkennung des Änderungsstandards durch die EU-Kommission (endorsement) steht derzeit noch aus (www.ifrs.org).