IASB ergänzt IFRS 9 um Regelungen zur Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen und des eigenen Kreditrisikos


IRZ, Heft 12, Dezember 2013, S. 453

Der International Accounting Standards Board (IASB) hat am 19. November 2013 eine weitere Ergänzung an IFRS 9 „Finanzinstrumente“ veröffentlicht, mit der er ein modifiziertes Modell für die Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen in den Standard aufnimmt. Mit der Aufnahme dieser Regelungen wurde ein weiterer wesentlicher Abschnitt zur Ablösung von IAS 39 abgeschlossen.

Nunmehr stehen noch zwei Teilprojekte (Wertminderungen und begrenzte Ergänzungen des bisherigen Standardtextes) aus. Diese sollen im ersten Halbjahr 2014 den Standard vervollständigen.

Das nun verabschiedete allgemeine Modell zur Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen bietet den berichtenden Unternehmen die Möglichkeit, ihr Risikomanagement im Abschluss besser abzubilden, da es mehr Möglichkeiten für die Anwendung der Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen eröffnet. Im Einzelnen ist das Modell durch folgende Eckpunkte gekennzeichnet:

 

  • Mit der Neufassung des IFRS 9 wird der Umfang der für eine Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen infrage kommenden Grundgeschäfte erweitert. So lassen sich auch Risikokomponenten nicht-finanzieller Posten als Grundgeschäfte designieren, wenn sie eigenständig identifizierbar und verlässlich bestimmbar sind. Auch Gruppen und Nettopositionen homogener Portfolien können nunmehr gesichert werden, ebenso dürfen Derivative Teil eines Grundgeschäfts sein.
  • Zudem wurde der Umfang der zulässigen Sicherungsinstrumente ausgeweitet. Im neuen Modell dürfen auch Kassageschäfte als Sicherungsinstrument designiert werden, die erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden. Neu eingeführt wurden Regelungen zur Bilanzierung von Änderungen des Zeitwerts einer Option, bei denen nur der innere Wert als Sicherungsgeschäft designiert wird, was zu einer geringeren Volatilität im Periodenergebnis führt. Derselbe Effekt wird auch dadurch erreicht, dass es nunmehr möglich ist, Forwardstellen und Währungsbasisrisiko aus der Designation des Sicherungsinstruments auszuklammern.
  • Die Vorschriften zur Effektivität von Sicherungsbeziehungen wurden grundsätzlich neu gefasst. So verzichtet der neue Standard auf das bisherige 80-125%-Intervall als Grundlage der Effektivitätsbestimmung und auf die Vorgabe, die Effektivität von Sicherungsbeziehungen regelmäßig überprüfen zu müssen. Stattdessen muss ein wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen Grundgeschäft und Sicherungsinstrument nachgewiesen werden. Dies soll zu einer größeren Flexibilität bei der bilanziellen Abbildung von Sicherungsbeziehungen führen.
  • Im Gegenzug für diese größere Flexibilität wurden allerdings die erforderlichen Angaben zur Risikomanagementstrategie eines Unternehmens, zu den Zahlungsströmen aus Sicherungsmaßnahmen sowie zur Auswirkung der Sicherungsbilanzierung auf den Abschluss ausgeweitet.

 

Im Zusammenhang mit der Entwicklung des neuen Modells der Sicherungsbilanzierung hat der IASB als Maßnahmen zur Abbildung der Tätigkeiten im Risikomanagement im Abschluss auch einige Alternativen zu einer Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen eingeführt. So enthält IFRS 9 ein Wahlrecht, eine Kreditrisikoposition zum beizulegenden Zeitwert zu bewerten und die Wertänderungen im Periodenergebnis zu erfassen, wenn das Kreditrisiko mithilfe eines Kreditderivats gesteuert wird. Als Übergangslösung wird IAS 39 für die Anwendung im Zusammenhang mit IFRS 9 durch ein Wahlrecht ergänzt, „Verträge zur eigenen Nutzung“ zum Fair Value zu bewerten und die Wertänderungen im Periodenergebnis zu erfassen, wenn dadurch eine Bilanzierungsanomalie beseitigt oder bedeutend verringert wird (Modifikation der Fair Value Option).

Das nunmehr in IFRS 9 implementierte allgemeine Modell der Sicherungsbilanzierung umfasst bisher nicht die Bilanzierung einer Absicherung offener Portfolien. Diese ist Gegenstand eines eigenständigen IASB-Projekts. Um Bilanzierern eine zweimalige Änderung ihrer Bilanzierungsweise zu ersparen, enthalten die neuen Regelungen zwei weitere Wahlrechte:

 

  • Unternehmen, die bislang die Regeln zum Portfolio Hedge Accounting von Festzinsrisiken nach IAS 39.81A angewendet haben, dürfen dieses Vorgehen auch nach der Einführung der neuen Vorschriften des IFRS 9 beibehalten. In diesem Fall sind Micro-Absicherungen nach den neuen Vorgaben in IFRS 9 und Portfolioabsicherungen von Festzinsrisiken entsprechend den Vorschriften in IAS 39 abzubilden.
  • Darüber hinaus haben Unternehmen ein Methodenwahlrecht, sämtliche Siche­rungsbeziehungen entweder entsprechend den bestehenden Regeln nach IAS 39 oder nach den neuen Vorschriften in IFRS 9 abzubilden.

 

Im Rahmen der veröffentlichten Ergänzung von IFRS 9 wurden vom IASB auch die Regelungen zur Bilanzierung von Verbindlichkeiten, die zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden, geändert. Der Standard schreibt nunmehr den ergebnisneutralen Ausweis von bonitätsbedingten Fair Value-Änderungen für solche Verbindlichkeiten vor. Diese Vorschrift des IFRS 9 kann als Option isoliert in Anspruch genommen werden, auch wenn ansonsten die Regelungen des IAS 39 weiter angewendet werden.

Der verpflichtende Erstanwendungszeitpunkt von IFRS 9 (bisher 2015) wurde in der aktuellen Veröffentlichung gestrichen. Er soll erst dann festgelegt werden, wenn die beiden noch ausstehenden Teilprojekte abgeschlossen sind und der Standard vollständig vorliegt. Der Standard kann grundsätzlich vorzeitig angewendet werden, allerdings nur noch in seiner Gesamtheit und nicht mehr phasenweise. Zum Zeitpunkt des Übergangs sind die Vorschriften grundsätzlich prospektiv anzuwenden, wobei es einige begrenzte rückwirkende Anwen­dungsvorschriften gibt. Für befreiende IFRS-Abschlüsse in der EU ist eine Anwendung allerdings erst möglich, wenn das EU-Endorsementverfahren abgeschlossen ist.