Neuerungen zu Investmentgesellschaften veröffentlicht


IRZ, Heft 12, Dezember 2012, S. 460

Der International Accounting Standards Board (IASB) hat am 31. Oktober 2012 die Verlautbarung „Investmentgesellschaften (Änderungen an IFRS 10, IFRS 12 und IAS 27)“ veröffentlicht, mit der bestimmte Gesellschaften von der generellen Konsolidierungspflicht des IFRS 10 ausgenommen werden.

Betroffen sind Mutterunternehmen, welche die Definition einer „Investmentgesellschaft“ erfüllen (z.B. bestimmte Investmentfonds). Diese Unternehmen sollen stattdessen ihre Investitionen in bestimmte Tochtergesellschaften erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert nach IFRS 9 oder IAS 39 bewerten.

Eine „Investmentgesellschaft“ wird als ein Unternehmen definiert, das folgende Merkmale aufweist:

  • Das Unternehmen erhält Kapital von einem oder mehreren Anlegern mit der Auflage, für diese Anleger Investitionen zu tätigen und zu steuern.
  • Es verpflichtet sich gegenüber den Anlegern auf einen Geschäftszweck, Investitionen nur mit dem Ziel der Kapitalvermehrung, der Erwirtschaftung von Investitionserträgen oder beidem zu tätigen.
  • Die Bemessung und Bewertung der Leistung von im Wesentlichen allen seinen Investitionen erfolgt auf Grundlage des beizulegenden Zeitwerts.


Typischerweise erfüllen Kapitalbeteiligungsgesellschaften, Wagniskapitalgesellschaften, Pensionsfonds, Staatsfonds oder andere Investmentfonds die Voraussetzungen zur Qualifikation als Investmentgesellschaft. Diese Gesellschaften dürfen ihre Tochterunternehmen nicht konsolidieren, sondern müssen die Beteiligungen erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewerten. Gleichwohl muss eine Investmentgesellschaft ein Tochterunternehmen konsolidieren, wenn dieses Tochterunternehmen Dienstleistungen erbringt, die sich auf die Anlageaktivitäten des Mutterunternehmens beziehen.

Die veränderten Regelungen für Investmentgesellschaften ergänzen nicht nur IFRS 10, sondern führen auch zu Änderungen in verschiedenen anderen Verlautbarungen des IASB:

  • Ergänzung der Angabevorschriften in Bezug auf Investmentgesellschaften in IFRS 12 und IAS 27,
  • Einführung einer Ausnahmeregelung vom Anwendungsbereich von IFRS 3 für Investmentgesellschaften (diese Unternehmen müssen keine Unternehmenszusammenschlussbilanzierung auf den Erwerb von Tochtergesellschaften anwenden),
  • verschiedene kleinere Folgeänderungen an diversen Standards.


Für die Bilanzierung von Beteiligungen an assoziierten Unternehmen oder Joint Ventures ergeben sich hingegen keine Änderungen. In IAS 28 ist Wagniskapitalgesellschaften, Wertpapierinvestmentfonds, Investmenttrusts und ähnlichen Unternehmen einschließlich investmentbezogenen Versicherungsfonds bereits bisher gestattet, Anteile an assoziierten Unternehmen oder Joint Ventures erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert nach IFRS 9 oder IAS 39 zu bilanzieren. Der IASB geht davon aus, dass Investmentgesellschaften diese Vorschriften anwenden werden.

Die neuen Vorschriften zu Investmentgesellschaften sind retrospektiv erstmals verpflichtend auf Berichtsperioden anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2014 beginnen. Dies ist ein Jahr nach dem verpflichtenden Zeitpunkt des Inkrafttretens von IFRS 10, der für Berichtsperioden anzuwenden ist, die am oder nach dem 1. Januar 2013 beginnen. Eine freiwillige vorzeitige Anwendung ist jedoch möglich, daher können Unternehmen sich entscheiden, die Änderungen zum Zeitpunkt der erstmaligen Anwendung von IFRS 10 anzuwenden, wodurch sich vermeiden lässt, dass Investmentgesellschaften Tochtergesellschaften nur im ersten Jahr der Anwendung von IFRS 10 konsolidieren müssen. Unternehmen in der EU müssen vor einer (ggf. freiwilligen) Erstanwendung der neuen Vorschriften zunächst das Anerkennungsverfahren der EU abwarten.