Steuerliche Berücksichtigung von selbst getragenen Kfz-Kosten bei der Dienstwagenüberlassung


BFH-Beschluss vom 15.1.2018, VI B 77/17

 

Übersteigen die Eigenleistungen des Arbeitnehmers den privaten Nutzungsvorteil für die außerdienstliche Nutzung eines ihm überlassenen betrieblichen Kfz des Arbeitgebers, führt der übersteigende Betrag weder zu negativem Arbeitslohn noch zu Werbungskosten. Dies gilt sowohl bei Anwendung der Fahrtenbuchmethode als auch bei der 1%-Bruttolistenpreisregelung.

 

Praxis-Info!

 

Problemstellung

 

Aufgeworfen wurde die Rechtsfrage, ob Zuzahlungen eines Arbeitnehmers an den Arbeitgeber für die Überlassung eines Dienstwagens auch zur privaten Nutzung als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit zu berücksichtigen sind, auch wenn durch den Arbeitgeber eine Erhöhung des Bruttogehalts für die Möglichkeit der Privatnutzung des Kraftfahrzeugs nicht ausgewiesen wurde.

 

 

Lösung

 

Zahlt der Arbeitnehmer an den Arbeitgeber für die außerdienstliche Nutzung, d.h. für die Nutzung zu privaten Fahrten und zu Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte, eines betrieblichen Kfz ein Nutzungsentgelt, mindert dies den Wert des geldwerten Vorteils aus der Nutzungsüberlassung. Nichts anderes gilt, wenn der Arbeitnehmer im Rahmen der Privatnutzung einzelne (individuelle) Kosten des betrieblichen Pkw trägt.

Übersteigen die Eigenleistungen des Arbeitnehmers den privaten Nutzungsvorteil, führt der übersteigende Betrag weder zu negativem Arbeitslohn noch zu Werbungskosten. Dies gilt sowohl bei Anwendung der Fahrtenbuchmethode als auch bei der 1%-Bruttolistenpreisregelung nach § 8 Abs. 2 Satz 2 EStG i.V.m. § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG.

 

 

 

 

Praxishinweise:

Die Anrechnung der vom Arbeitnehmer selbst getragenen Kosten auf den Wert nach der Bruttolistenpreisregelung im Lohnsteuerabzugsverfahren durch den Arbeitgeber hat gegenüber dem vom Arbeitnehmer zunächst beantragten Werbungskostenabzug den Vorteil, dass sich die Arbeitnehmer-Kosten auch sozialversicherungsrechtlich mindernd auswirken.

Die Finanzverwaltung folgt dieser Rechtsprechung, wenn die Kostenübernahme arbeitsvertraglich vereinbart ist oder auf einer arbeitsrechtlichen Vereinbarung beruht. Dies gilt z.B. für folgende vom Arbeitnehmer übernommene Kfz-Kosten, die zugleich zu den Gesamtkosten des Firmenwagens gehören:

  • Treibstoffkosten,
  • Kfz-Steuer,
  • Beiträge für Haftpflicht- und Fahrzeugversicherungen,
  • Wagenpflege/-wäsche,
  • Garagen-/Stellplatzmiete,
  • Wartungs- und Reparaturkosten,
  • Aufwendungen für Anwohnerparkberechtigungen,
  • Ladestrom für Elektrofahrzeuge.

Da sie nicht zu den Gesamtkosten gehören, werden z.B. folgende, vom Arbeitnehmer getragene Kosten nicht auf den geldwerten Vorteil angerechnet:

  • Parkgebühren,
  • Straßen- oder Tunnelbenutzungsgebühren (Vignetten, Mautgebühren),
  • Fährkosten,
  • Beiträge zu Insassen- und Unfallversicherungen,
  • Verwarnungs-, Ordnungs- und Bußgelder.

In der Praxis kommt es insbesondere vor, dass Benzinkosten bei Urlaubsfahrten mit dem Firmenwagen im Ausland vom Arbeitnehmer getragen werden müssen. Auch diese Kosten können auf den geldwerten Vorteil angerechnet werden. Bei Fremdwährungen (z.B. Schweizer Franken) kann die Umrechnung nach den im Bundessteuerblatt Teil I veröffentlichten monatlichen Umsatzsteuerreferenzkursen vorgenommen werden (vgl. weiterführend Plenker, BC 2018, 19 ff., Heft 1).

 

[Anm. d. Red.] 

 

 

BC 4/2018